|
Rechenschwäche ist als Teilleistungsstörung definiert, bei der Betroffene zunächst nur im Bereich mathematischer Zusammenhänge und Probleme auf Schwierigkeiten stoßen. Dies zeigt sich nicht nur in Schule, Ausbildung, Studium oder in Prüfungen, sondern auch in alltäglichen Situationen.
Rechenschwäche/ Dyskalkulie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manche Betroffene haben Schwierigkeiten beim Lesen der Uhr oder von Fahrplänen, wissen nicht, wie viel Wechselgeld sie zurückbekommen oder sind verunsichert bei einfachen Rechenarten, müssen äußerlich oder innerlich hoch- und herunterzählen.
Manchmal besteht nicht nur die Teilleistungsstörung Rechenschwäche sondern auch eine Lese- Schreibschwäche ( LRS).
In Tests, wie im Alltag zeigt sich bei Menschen mit Dyskalkulie/ Rechenschwäche ein meist durchschnittliches oft sogar hohes Intelligenzniveau.
Von Rechenschwäche oder Dyskalkulie betroffene Menschen sind oft bemüht, nicht aufzufallen und sich gut anzupassen. Dadurch bleiben die Schwierigkeiten der durch Rechenschwäche Betroffenen meist zu lange versteckt. Mit intelligenten Ideen, phantasievollen Methoden und oft besonderen Merkfähigkeiten schaffen sie es, die ihnen durch Rechenschwäche fremd gebliebenen Rechenstrategien durch ihre persönlichen Wege zu ersetzen.
In Folge der nicht behandelten Rechenschwäche/ Dyskalkulie entstehen oft weitere Unsicherheiten und Probleme, da schon Kinder mit Rechenschwäche und ihr Umfeld vielfältige Erfahrungen der Hilflosigkeit, Verunsicherung und Misserfolge machen.
Nicht selten werden Menschen mit Rechenschwäche als unmotiviert, antriebslahm oder minderbemittelt eingestuft, was nicht nur bei Kindern zu einer stark negativen Haltung sich selbst gegenüber führt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Dyskalkulie/ Rechenschwäche als „Rechenstörung“. Das heißt als „Beeinträchtigung von grundlegenden Rechen-fertigkeiten. Diese Störung beinhaltet eine umschriebene Beeinträchtigung von Rechen-fertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie und Differential- sowie Integralrechnung benötigt werden“ (WHO DEFINITION sowie ICD 10 F 81.2).
„Wenn ein Kind von normalem Intelligenzniveau im Rechnen durchgehend schwach ist oder darin völlig versagt, so kann es berechtigt sein, eine Rechenschwäche/ Dsyskalkulie zu vermuten. Nicht jedes Kind, das schlecht rechnet, hat eine Rechenschwäche. (...) Es gibt auch nicht die Rechenschwäche, sondern so viele verschiedene Rechenschwächen, als es rechenschwache Kinder gibt. Keine gleicht exakt der anderen. Die Rechenschwäche ist ein abstrakter Sammelbegriff. Im konkreten Falle haben wir es mit der individuellen Rechenschwäche eines bestimmten Schülers zu tun.“ (Wolfensberger, 1981)
Angenommene Ursachen von rechenschwäche/ Dyskalkulie:
Für Rechenschwäche gibt es unterschiedliche, teilweise noch nicht wissenschaftlich belegte Ursachen. Bisher mögliche und belegte Gründe für Dyskalkulie/ Rechenschwäche können in folgenden Bereichen zu finden sein:
körperliche Ursachen: beispielsweise häufiges Fehlen in der Grundschulzeit auf Grund von Erkrankungen, Mittelohrerkrankungen, langes Liegen der Mutter vor der Geburt, langes Liegen eines Kindes im Kleinkindalter, Resorptionsstörungen des Magen-Darmtraktes, eingeschränktes Sehvermögen, Kopfverletzungen)
biographische Ursachen: Rechenschwäche kann begünstigt werden durch fehlende, überfordernde oder unangemessene Förderung des näheren Umfeldes, massiv verunsichernde oder traumatische Ereignisse. (Lernen erfordert immer das Zulassen von Neuem, Unbekanntem, dafür ist eine stabile seelische und körperliche Basis nötig.)
erblich: Rechenschwäche kommt manchmal auch in der Familie der Betroffenen vor.
schulische Ursachen: Dyskalkulie kann durch häufigen Schulwechsel, durch wechselnde Lehrpersonen, Ausfallen von Grundschulmathematikunterricht, unstrukturierten Unterricht, störende oder mobbende Mitschüler, unsachliche Haltung einer Lehrperson mitbedingt sein. Weiterführender Link zu Rechenschwäche: Deutscher Bildungsserver
|