| Hochbegabung bei Erwachsenen- Chancen und Risiken |
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Hochbegabte Erwachsene befinden sich in der Situation, als Minderheit in Systemen zu leben, die sich an der Mehrheit der Menschen orientieren. Ihre Umgebung ist häufig nicht darauf eingestellt, mit den besonderen Bedürfnissen Hochbegabter umzugehen. Daraus können Passungsschwierigkeiten auf unterschiedlichen Ebenen entstehen: bei der Identitätsfindung, im sozialen Miteinander, in der Berufswahl, in Ausbildung und Beruf, in der Partnerschaft, im kognitiven Bereich, im Seelenleben. Es ist eine besondere Herausforderung, sich als hochbegabter Mensch das passende Umfeld zu suchen bzw. zu schaffen und es zu pflegen. Auch wenn ein Mensch mit dem Wissen um seine Hochbegabung aufwächst, können sich Probleme im ganz alltäglichen Leben entwickeln: Hochbegabte Menschen unterscheiden sich z.B. häufig in ihrem Kommunikationsverhalten von anderen Menschen. Die Schwerpunkte und Vorlieben können anders gelagert sein. Die Art, mit anderen Menschen umzugehen, die eigene Meinung zu äußern, Kritik oder Anregung zu geben, kann bei den Mitmenschen zu Irritationen führen. Um die eigenen Fähigkeiten auch angemessen einsetzen zu können, ist gelingende Kommunikation aber eine wesentliche Voraussetzung. Sie muss in diesem Fall aktiv und bewusst gestaltet werden, um in Austausch mit der Umwelt treten zu können und darüber Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen. Dieses Wissen um die eigenen Besonderheiten kann den Umgang mit anderen Menschen wesentlich erleichtern und helfen, z.B. im Berufsleben weniger anzuecken. Es genügt auch nicht immer nur, fachlich hervorragende Leistungen aufweisen zu können- manchmal muss man auch Andere von der Bedeutung und den Vorteilen, mit einem hochbegabten Menschen zusammen zu arbeiten, überzeugen können. Zu wissen, worin die besonderen Stärken und Schwächen bestehen, und sie souverän zu handhaben, ist gerade im Berufsleben wesentlich.
Aber nicht alle hochbegabten Menschen wachsen mit dem Wissen um ihre Hochbegabung auf, und nicht alle „erkannten“ Hochbegabten erfahren angemessene Unterstützung und Förderung. Der Begriff „hochbegabt“ wird häufig noch mit „Überflieger“, „Genie“ oder „Alleskönner“ in Verbindung gebracht und zeigt, welche Erscheinungsformen erwartet und damit verbunden werden. So ist es kein Wunder, dass am ehesten die Menschen als hochbegabt erkannt und gefördert werden, die früh und mit Leichtigkeit durch besondere Leistungen auffallen. Für etliche Förderprogramme sind z.B. bereits vorliegende Leistungsnachweise wie sehr gute Schulnoten Voraussetzung. Hochbegabte Menschen, die nicht auffallen weil sie „nur“ gute, durchschnittliche oder sogar unterdurchschnittliche Leistungen erbringen, entsprechen dem Klischee nicht und werden seltener „entdeckt“ und gefördert. Und immer noch werden deutlich mehr Jungen und Männer als hochbegabt erkannt, als Mädchen und Frauen, obwohl man davon ausgeht dass in der Auftretenshäufigkeit von Hochbegabung keine Geschlechtsunterschiede existieren. Hochbegabung ist nicht nur eine Fähigkeit, sie hat den Stellenwert eines Persönlichkeitsaspektes: Das Bedürfnis, sich angemessen in der Welt ausdrücken und wirken zu können (z.B. ungebremst denken zu wollen, was sich in „Lösungen von übermorgen“ zeigen kann); die Art, wie Reize und Informationen aufgenommen und verarbeitet werden, oder welche Reize als uninteressant aussortiert werden; die Auswahl der Themen, mit denen man sich beschäftigt: dies und Anderes trägt auch dazu bei, den Stil einer Persönlichkeit zu formen. Entsprechend kann das Vorhandensein von Hochbegabung einen Menschen in seiner Persönlichkeit und damit auch in seiner Identität prägen. Wurde eine Hochbegabung nun nicht erkannt, verleugnet oder übergangen, dann fehlen der/dem Betroffenen wichtige Hinweise zum Selbstverständnis. Wer als hochbegabtes Kind nicht gefördert wurde, hat es als Erwachsener schwerer, mit dem eigenen Potential umzugehen. Wie soll man etwas handhaben, mit dem man nur wenig Erfahrungen machen konnte? Eigenheiten und Vorlieben wurden möglicherweise missverstanden und vielleicht sogar entwertet. Entsprechend kann sich bei den Betroffenen ein falsches Selbstbild entwickeln mit den Folgen nicht-passender Berufswahl und Lebensplanung. Häufig gehen dann Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühle und Depressivität damit einher. Es kommt zu Dissonanzen mit der Umwelt.
Wir bieten Beratung und Information rund um das Thema Hochbegabung an und Hilfestellung bei der Lebenszielplanung (z.B. Bestandsaufnahme, Standort- und Zielbestimmung, Wege und Methoden zur Zielerreichung, Unterstützung bei der Umsetzung) sowie bei der Lösung von inneren Konflikten, die eine Weiterentwicklung blockieren. Wir beraten und informieren Sie auch über die Besonderheiten, die Hochbegabte in ihrer Kommunikation zeigen können.
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