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Durch die therapeutische Hilfe soll erreicht werden, dass die Entwicklungsfähigkeit des Kindes (des Jugendlichen oder Erwachsenen) in der natürlichen Ganzheitlichkeit gewahrt und gefördert wird. Eine seelische Behinderung soll vermieden werden. Eine Teilleistungsstörung kann in ihrer Frühphase durch ideenreiche Strategien des Kindes verheimlicht und kompensiert werden. Es handelt sich noch um ein nur leicht divergentes Verständnis in einem Teilbereich von Wirklichkeitserfassung und –bearbeitung (z.B. Mathematik, Schriftsprache). Eine unbehandelte Teilleistungsstörung ist in der Regel der Beginn einer eigengesetzlichen Realitätskonstruktion, die im späteren Stadium nicht mehr mit allgemeingültigen Normen für diesen Realitätsbereich in Übereinstimmung zu bringen ist. Die Teilleistungsstörung des Kindes sollte integriert und konstruktiv behandelt werden. Die Integration der Teilleistungsstörung und die konstruktive Umgangsweise mit der Teilleistungsstörung findet deshalb besondere Betonung, weil das Verdrängen oder Ignorieren der Teilleistungsstörung zu einer persönlichkeitsstörenden und charakterbildenden Fehlhaltung werden kann. In seinen Spätfolgen / Sekundärsymptomen kann eine nicht behandelte Teilleistungsstörung dazu führen, dass eine Berufsausbildung nicht bewältigt wird, ein Erwerbsleben und ein normales soziales Leben nicht gelingen. Dies soll vermieden werden. Die Zielsetzung der Dyskalkulie – Therapie ist daher eine allgemeine sowie eine spezifische Zielsetzung. Allgemeine entwicklungspsychologische Gesichtspunkte werden aktiv einbezogen. Eine Nachreifung sowohl der persönlichen als auch der schulischen Aspekte ist Ziel der Dyskalkulie – Therapie. Insbesondere wird der allgemeine „Werksinn“ (nach E. Erikson) des Kindes und die konstruktive Identitätsentwicklung der/des Jugendlichen gefördert. Im Rahmen des Dyskalkulie – Therapie soll das Kind /Jugendliche eine ermutigende Beziehungserfahrung machen. Die Therapeutin hat eine offene Grundhaltung, so dass das Kind / Jugendliche wagt, alle belastenden Aspekte oder seinen Beratungsbedarf offen zum Ausdruck zu bringen. Die Akzeptanz des eigenen Selbst soll als etwas Bedingungsloses, d.h. auch unabhängig vom Erreichen eines schulisch erstrebenswerten Zieles, verstanden und erreicht werden. Das Selbstwertempfindens des Kindes/Jugendlichen und seine Motivation zu Eigeninitiative und lösungsorientierter Selbstwirksamkeit sollen gestärkt werden. Das Kind soll ermutigt werden, seine Talente zu entwickeln und seine Probleme als produktive Herausforderung zu begreifen. Im Rahmen der Dyskalkulie-Therapie sollen mögliche Negativsymptomatiken wie Rückzugstendenzen, Scham, Angst, Unkonzentriertheit, Passivität und positive (d.h. konkret hervortretende) Symptome wie motorische Überfunktion, Ideenflucht, konfuse Lösungsversuche, Aggressionen und ablehnende Grundhaltung reflektierend mit einbezogen werden und in Modifikation gebracht werden. Die Dyskalkulie-Therapie soll dazu beitragen, dass aus diesen Störungszeichen für das betroffene Kind kein Circulus vitiosus von Störungszeichen, Ablehnung, Verheimlichung und neurotischer Fehlhaltung entsteht. In Bezug auf die Intelligenzentwicklung wird darauf geachtet, dass konkretistisches Denken überwunden und die formal – operationale Entwicklungsstufe angestrebt wird. Auf die Teilleistungsstörung ‚Dyskalkulie’ bezogen skizzieren wir unsere Zielsetzungen wie folgt: Das Kind soll (wieder) Zugang zum Thema Mathematik finden. Es soll für möglich halten, dass etwas Mathematisches begreiflich ist und sogar Freude machen kann. Das Interesse für das Erlernen mathematischer Inhalte soll wieder geweckt werden. Die vom Kind eventuell erlebte Hilflosigkeit bei früheren Versuchen, sich mathematische Inhalte anzueignen, oder das Gleichsetzen von Mathematik mit etwas Lästigem, soll durch neue konstruktive therapeutische Erfahrungen überwunden werden. Die Dyskalkulietherapie soll das Kind / den Jugendlichen ermutigen, sich auf neue Methoden, auf neues `Werkzeug´ beim Umgang mit mathematischen Gegebenheiten einzulassen. Die Dyskalkulietherapie will eine Brücke bauen zwischen der Idee, Mathematik sei nur abstrakt, und den tatsächlichen, im Alltag vorkommenden, mathematischen Strukturen und Aufgaben. Die Dyskalkulietherapie will einen reflektierenden Umgang mit `falschen´ Lösungen und `Fehlern´ finden. Die Dyskalkulietherapie will das Kind / den Jugendlichen ermutigen, aus dem Gelernten und Erfahrenen eigenständige Lösungen für neue mathematische Probleme zu finden. Die Dyskalkulietherapie will die nicht strukturierten Inhalte oder die anders als in der Schule vermittelten mathematischen Inhalte beim Kind aufarbeiten. Durch die Dyskalkulietherapie soll der nicht begriffene Schulstoff einbezogen werden. Zumindest soll die Voraussetzung dafür geschaffen werden, dass das Kind anderweitige reguläre Nachhilfe in Anspruch nehmen kann. Flankierend beraten wir die Eltern und ermutigen sie dazu, die Mathematik als etwas dem Alltag Zugehöriges zu integrieren. Die Dyskalkulietherapie will dem Kind begründete Zuversicht ermöglichen, mit den mit neu erlernten und zugelassenen Methoden in der Mathematik zu handeln. Methode Die nun folgenden didaktisch-therapeutischen Einheiten sind nicht als Vorgehensschema für jedes Kind/jeden Jugendlichen zu verstehen; Aufbau und zeitlicher Rahmen der Schritte variieren je nach individuellen Gegebenheiten ! Eingangsgespräch mit den Eltern oder einem Elternteil: Übersicht gewinnen in Bezug auf die bisherige schulische Entwicklung und mathematische Leistung des Kindes sowie seines allgemeinen Entwicklungsstandes Einbeziehen bisherige Gutachten und Empfehlungen ggf. Einbeziehung der Hausaufgabenhefte und Klassenarbeiten des Kindes ggf. Rücksprache mit LehrerIn oder schulpsychologischem Dienst o.a. Differential- und Förderdiagnostik Gemeinsames Herausarbeiten der bisherigen Rechenstrategien Verbalisierung (auch: anregen, beim Lösen der Aufgaben ‚laut zu denken’) und anschauliche Reproduktion des aktuellen mathematischen Denkens; Klärung der verwendeten Zeichen und Zahlen und den damit einhergehenden Vorstellungen; Erfassen von Zahlenbegriff, Mengenbegriffen, Ordnungsbegriffen und des Alltagsverständnisses des Kindes in Bezug auf mathematische Gegebenheiten Vertiefte Exploration (zusammen mit dem Kind) zur bestehenden Rechenschwäche anhand der Hausaufgabenhefte / Klassenarbeiten Aufgreifen von disparaten Vorstellungswelten und Widersprüchen Differenzierte Erfassung der vom Unterricht abweichenden Rechenstrategien des Kindes und Ableitung des therapeutischen Arbeitsbereiches Aufbau eines förderlichen, vertrauensvollen Arbeitsbündnisses mit Kind/ Jugendlichem und Eltern Schwächen akzeptieren und mit Mut anpacken Ggf. Verwendung von Testverfahren aus verschiedenen, anderen Tests zusammengestelltes eigenes Erkundungsverfahren „ZAREKI – Testverfahren zur Dyskalkulie bei Kindern“; Michael von Aster, Monika Weinhold, 2001 Swets & Zeitlinger ggf. HAWIK, Hamburger Wechsler Intelligenztest für Kinder Prüfungsähnliche Situationen sollen in der Dyskalkulie-Therapie vermieden werden. Ziel der Differential- und Förderdiagnostik ist es, einen fundierten Eindruck über den Stand des Kindes zu erhalten Unter Umständen reichen das gemeinsame ´Laut Rechnen´ und gezielte Rechenspiele aus, um einen Überblick zu erhalten ob und in welchem Umfang eine Rechenschwäche vorhanden ist. Dokumentation der diagnostischen Durchführungen und Verwendung für die Hilfeplanerstellung und den Hilfeprozess Individuelle Maßnahme ( 6 – 18 Monate mit wöchentlichen Arbeitstreffen) Vorgehensweise ohne Zahlen ausgehend von den Alltagserfahrungen des Kindes: Gruppenbilden mit gegebenem anschaulichem Material; praktisches Durcharbeiten der Konstrukte, der Kriterien und der Verhältnisse bei Gruppe – Dinge, Menge – Elemente Mengenkonstanz und Mengenverhältnisse Größe und Anzahl von Elementen; Begreifen von gleich großen und unterschiedlich großen Mengen; Vergleiche, Vergrößerungen, Verkleinerungen Die Zahl als Symbol Anzahl von Elementen; spielen mit Symbolen, Zahlensymbolen und der Zahl als Wort. Einbeziehung der schriftlichen Herangehensweise. Gesamtmengen und Teilmengen arbeiten mit Materialien (aufteilen von Mengen und bilden von Mengen aus den Elementen mittels Steinen, Perlen, Döschen etc.) schriftliche Arbeit (auch Textaufgaben) Training des Denkens in Gruppen und Untergruppen, Mengen und Teilmengen Automatisierungsübungen für den Umgang mit Zahlen bis 10 Verwendung von Rechenkärtchen, die die Zahl als Symbol wie auch als Menge in möglichen Teilmengen zeigen Eine (An)zahl ist keine starre Einheit, sondern eine Bewegliche Menge! Addition und Subtraktion weiterführen des Teilmengenbegriffes, Verständnis von Rechenoperation und ihrer Umkehrrechnung (‚Probe machen’) Platzhalteraufgaben aus dem Alltag des Kindes heraus entwickelte Textaufgaben Zahlenraum bis 100 bündeln und bezeichnen von 10er Gruppen und Einern; Aufgaben ohne einen Übergang über eine Nullstelle Übungen mit Übergang über die Nullstelle und Subtraktion in zwei Schritten; Übungen in Zehnergruppen; Training des Überstiegs in Subtraktion und Addition Einübung in vereinfachenden Rechenoperationen Kardinale Nähe, Rechnen mit der Hälfte, dem Doppelten, vorübergehendes ´Glatt machen´ von Zahlen Eingliedern von Zahlen in einen Zahlenraum (Zahlenstrahl) Addition und Multiplikation Vergleich und Unterscheidung von Addition und Multiplikation Platzhalteraufgaben Multiplikation im Zahlenraum bis 100 Beispiele aus dem Alltagskontext und eigene Entwicklung von Textaufgaben; Multiplikation von gleichen Teilmengen Arbeiten mit Ein-mal-Eins Kärtchen (eine Zahl auf verschiedenen Multiplikationswegen erreichen) Division Unterteilen von Gruppen in gleich große Teilmengen Training zur Unterscheidung von Multiplikation und Division Arbeiten mit Ein-mal-Eins Kärtchen (eine Zahl auf verschiedenen Divisionswegen erreichen) Aufgaben mit Rest Vorbereitung des Rechnens mit Kommazahlen und Brüchen Platzhalter- und Textaufgaben Erweiterter Zahlenraum bis 1000 drittes bis viertes Schuljahr / erweiterter Zahlenraum bis 1000 bei weiterführenden Klassen Zahlenraum bis unendlich. Dimensionierte Größen Umgang und Verständnis von Größensystemen (wie beispielsweise Längen-, Gewichts-, Raum-und Zeitsystemen, Uhr) Aus- und Umrechnen von Einheiten Stellenwertsystem begreifen der Kommastelle als Analogie zum Stellensystem `links des Kommas´, andere Form des Ausdrucks von ‚Rest’ Erweiterung des Stellenverständnisses rechts des Kommas (15 = 15,0) Bruchrechnen Ausdifferenzierung des Teilmengenbegriffes und Stellenwertsystems über die ganzen Zahlen hinaus: Kommazahlen können auch als Bruchzahlen dargestellt werden. ( 0,1 = ein zehnter Teil) Anknüpfen an dimensionierte Größen ( 90 cm sind 0,9 m; 166 Cent entsprechen 1,66 Euro) Was zählt der Zähler, was benennt der Nenner? Addition, Subtraktion, Erweitern, Kürzen, Division, Multiplikation von Brüchen, immer mit konkreter Vorstellung der tatsächlichen Bedeutung der (abstrakten) Operationen Verwendete Materialien (und deren Anwendung): Zeichnen, Malen, Bildergeschichten erfinden Zehnerdosen und Einerperlchen ( auch mit Tastsinn einschätzen, sich merken) Holzmaterialien: Einerwürfel, Zehnerstäbe, Hunderterplatten, Tausenderwürfel nicht zählbare Materialien wie bunte Flüssigkeiten Maßbänder, Quadratmeter und Zentimeter aus Papier ausschneiden, Längenmaße abgehen Rechenkärtchen um das Einmaleins einzuüben für Bruchrechenaufgaben aufteilbare Einheiten wie Schokoladentafeln, Möhren, unterteilbare Kartondeckel Spiele wie `Gruselfix ´oder ‚Memorie’, um das Erfassen bestimmter optischer Gestalten zu verbessern, die Konzentrationsfähigkeit zu schulen Grundsätzlich versuchen wir, von jedem Kind oder Jugendlichen eigene Anregungen, Vorlieben und Zugangsmöglichkeiten aufzugreifen ( bspw. Notenwerte, Futtermengen für ein Pferd, Schnelligkeit und Maße eines Autos, Entfernung zur Schule ) und in die Tat umzusetzen. Es wird darauf geachtet, dass die Verwendung von Materialien einem ‚Konkretismus’ nicht zuarbeitet ! |

